Conferenza San Gottardo: varata la "Charta"

ANDERMATT - Rund 150 Parlamentarier von Uri, Tessin, Wallis und Graubünden haben am Montag die "Charta San Gottardo" verabschiedet. Sie dient als Leitbild für die soziale, kulturelle, wirtschaftliche und touristische Entwicklung dieser zentralen Schweizer Region.

Die von der ersten Gotthardkonferenz verabschiedete Charta San Gottardo strebt eine nachhaltige Entwicklung des Gotthard-Raumes als "Herz der Alpen im Zentrum Europas" an. Die ökologische und ökonomische Entwicklung soll im Gleichschritt erfolgen.

In der Charta wird auch das Ziel einer nachhaltigen Wasser-, beziehungsweise Energiewirtschaft erwähnt, um das Klima zu verbessern und erneuerbare Energiequellen zu fördern. Immerhin ist das Gotthard-Gebiet das europäische Wasserschloss und eine wichtige Wasserscheide im Herzen der Alpen.

In der Gotthard-Region stossen die vier Kantone Uri,Wallis, Graubünden und Tessin und damit vier Sprachregionen der Schweizaufeinander (Deutsch, Französisch, Romanisch, Italienisch). Das ProjektGotthard soll - unabhängig von den Kantonsgrenzen - eine langfristigeEntwicklung dieser Region fördern.

Aus Prego wird Projekt San Gottardo
Auslöser für das Projekt San Gottardo war die Porta Alpina, jene Vision einer unterirdischen Haltestelle im Gotthard-Basistunnel unter Sedrun (GR), welche die Gotthard-Region direkt an die internationale Transitachse anschliessen sollte.

Der Bundesrat hatte eine Subvention an den Nachweis regionaler Potenziale geknüpft. Die vier Kantone gaben daher den Anstoss zum Projekt "Prego". Dieses sollte die Möglichkeiten für eine gemeinsame Entwicklung der kantonsübergreifenden Bergregion ausloten.

Die Porta Alpina ist inzwischen aufgegeben worden. Die Kantone haben aber gemerkt, dass Kooperation gleichwohl wichtig ist, um dem Gebiet eine Zukunft zu geben, wenn Reisende ab 2019 durch den neuen Gotthard-Basistunnel brausen und die Bergtäler nicht mehr zu Gesicht bekommen. So sind die Kantonsparlamente zu Trägerschaften für das Projekt San Gottardo geworden.

Lob von der Bundesrätin
Viel Lob für diese Initiative spendete Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard an der ersten Gotthardkonferenz in Andermatt. Sie zeigte sich erfreut, dass die seit Anfang 2008 geltende, neue Regionalpolitik des Bundes schnell Früchte trage - und auch neue innovative Zusammenarbeit zwischen den Kantonen fördere.

Mit der "Charta San Gottardo" werde die Bildung einer Grossregion von Legislative, Wirtschaft und Bevölkerung mitgetragen und aktiv vorangetrieben, sagte Leuthard. Die Gotthardregion habe eine gute Chance, von der Abwärts- in die Aufwärtsspirale zu gelangen. "Lassen sie sich von der Sawiris-Euphorie anstecken."

Damit spielte die Bundesrätin auf das Projekt des ägyptischen Investors Samih Sawiris in Andermatt an. Der Multimillionär plant dort ein gigantisches Hotel- und Ferienresort mitsamt Golfplatz. Die Projekt- und Planungsarbeiten sind schon weit fortgeschritten.

Kein "Nice-to-have" - ein "Must"
Auch die Kantone sehen in der grenzüberschreitenden Kooperation die einzige Chance, der Gotthard-Region eine Zukunft zu geben. Für die Urner Landratspräsidentin Annalise Russi ist eine aktive partnerschsaftliche Zusammenarbeit zwischen den Bergkantonen nicht mehr ein "Nice-to-have", sondern ein "Must".

Der Urner Landammann Isidor Baumann betonte, dass sich die Region trotz vier Kantonen, vier Regionen und vier Sprachen in Vielem einig sei. Auch stünden alle vier Kantone vor grossen Herausforderungen. "Nur gemeinsam schaffen wir einen Podestplatz in der Schweizer Tourismuslandschaft", sagte Baumann.

Prospekt für alle Regionen
Die lange vernachlässigte Gotthardregion soll nun mit diesem Projekt wieder zu einer Wachstumsregion werden, sagte Projektleiter Jean-Daniel Mudry. Bereits bestehende Ideen sollen aufgewertet und angepackt werden.

Mudry zeigte die Strukturen und erste Ansätze zur Realisierung des interkantonalen Projekts auf. Konkret stellte er einen Prospekt vor mit touristischen Angeboten der vier Regionen Goms, Tre Valli, Surselva und Urserntal sowie eine entsprechende Karte. Auch wird in Kürze eine mehrsprachige Webseite aufgeschaltet.

Gerhard Lob, swissinfo und Agenturen